Back to Power

Max Prüfungsvorbereitung lief immer nach dem gleichen Schema ab: Um 3:30h morgens klappte er seine Bücher auf, um sich für die Prüfung um 8:00h fit zu machen. Und auch das Ergebnis war jedes Semester das Gleiche, nämlich von fünf Prüfungen bestand er genau eine.

Auch wenn Max wahrscheinlich einer der härteren Fälle ist, kennen sicherlich auch Sie seine „Lerntechnik“: Aufschieben, aufschieben und noch mal aufschieben. Außer für ein paar Glückspilze und Überflieger endet diese Strategie allerdings meist in Chaos und Frust. Die große Frage lautet also, wie kriege ich es hin, mich so zu motivieren, dass ich nicht wieder zu spät am Schreibtisch lande?

Die gute Nachricht vorweg: Es muss nicht immer so laufen wie bei Max. Die schlechte gleich hinterher: Wenn Sie Ihre Motivation verbessern wollen, dann sollten Sie etwas an Ihrer Einstellung ändern und das ist ein hartes Stück Arbeit. „Vielen Dank für die Predigt,“ werden Sie mir jetzt wahrscheinlich vorhalten, „aber was bitte soll ich konkret tun, wenn ich nicht wieder alles bis zur letzten Minute hinausschieben will?“

Fangen wir gleich mit der wichtigsten und härtesten Regel an: Warten Sie nicht auf Ihre Motivation, um endlich aktiv zu werden, denn dann können Sie lange warten! (Im Zweifelsfall bis zur Exmatrikulation!) Einer der gefährlichsten Fehleinschätzungen im Studium besteht darin anzunehmen, dass Ihnen Ihr Fach erst einmal Spaß machen muss und dann geht die Arbeit ganz von selbst. Bei den meisten erfolgreichen Studenten läuft die Geschichte genau umgekehrt ab: Erst wenn Sie sich durch die ersten Aufgaben und Fälle gequält haben, fängt Ihr Fach an, Sie zu interessieren. Oder kurz gesagt: Beißen Sie sich durch, der Spaß kommt ohnehin erst später!

Leider ist es aber nicht damit getan, dass Sie sich mutig auf Ihr Fach stürzen, egal ob es Ihnen am Anfang Spaß macht oder nicht. Jeder von Ihnen, der anstehende Aufgaben nur schwer bei den Hörnern packen kann, hat garantiert eine ganze Reihe von Gedanken im Kopf, die den Start in die Arbeit behindern. Ein ganz typisches Beispiel für solche Denkweisen, die uns nicht in Puschen kommen lassen, ist der folgende Gedankengang: „Wenn ich diesen Artikel in der Petra zu Ende gelesen habe, setze ich mich garantiert an die verdammte Ableitung.“ Und schon haben Sie verloren, denn Sie lassen sich frühestens vier Artikel später an Ihrem Schreibtisch nieder!

Die große Kunst besteht jetzt darin, wie man diese Sabotagegedanken so verändert, dass sie Sie schneller an den Schreibtisch bringen. In der Theorie ist die ganze Sache auch ziemlich simpel, denn Sie müssen den Gedanken einfach umdrehen: „Wenn ich die verdammte Ableitung endlich hinter mich gebracht habe, dann kann ich in Ruhe meine Petra lesen.“ Wie gesagt, theoretisch ist dieser Kniff nicht besonders schwierig und noch dazu verbessert er auch nachweislich Ihre Arbeitsleistung. Allerdings ist es gar nicht so einfach, sich Sabotagegedanken wieder abzugewöhnen, wenn man sie erst einmal fleißig trainiert hat. Da hilft leider nur eins: üben, üben und noch einmal üben!

Und vergessen Sie natürlich eins nicht, wenn Sie Ihre Motivation wieder auf Vordermann bringen wollen: die Belohnungen. Gute Chefs sorgen für üppige Prämien, wenn ihre Mitarbeiter ihre Sache gut machen. Das Gleiche gilt für Sie: Wenn Sie eine Aufgabe über die Bühne gebracht haben, belohnen Sie sich. Egal ob Sie chic essen gehen, sich ein neues Exemplar für Ihre CD-Sammlung gönnen oder sich ein Wochenende in Berlin genehmigen, denn nur mit der richtigen Belohung macht Leistung Spaß.

Falls Sie allerdings wirklich mal längere Zeit im Motivationsloch verbracht haben und sich denken, dass das Lernen jetzt ohnehin keinen Sinn macht, dann gibt es nur noch eine Lösung: einfach anfangen! Denn egal wie groß der Rückstand ist, nur wenn Sie loslegen zu arbeiten, haben Sie eine Chance, dass die Motivation noch auf Touren kommt.

© Sebastian Niestroj

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