Herbst mal anders

Eva schaute aus ihrem Fenster in die kahlen Bäume, auf den verregneten, grauen Hof. Irgendwie kam ihr alles ziemlich sinnlos und traurig vor: Ihr Studium, ihre Freunde, ihr Nebenjob … „Der verdammte November.“, dachte sie sich, „Das ist ja nicht zum Aushalten, dieser endlose Regen. Wenn ich nur irgendwie wieder ein bisschen Power hätte!“

Vor zwei Monaten sah die Welt noch ganz anders aus: Lange Grillpartys, nette Abende im Biergarten, romantische Dates am Main … und jetzt, alles vorbei. Der Herbst von seiner dunklen, kalten und nassen Seite. Da kann es einem schon schnell passieren, dass der Schwermut einen packt. Aber was können Sie dagegen tun, außer sich bis April nach Australien oder in den Winterschlaf zurückzuziehen? Sie müssen nicht gleich zu Psychopharmaka greifen, um das herbstliche Würzburg zu überstehen, sondern mit etwas Gelassenheit und ein wenig Antrieb werden Sie auch so mit dem Novemberblues fertig.

Auf jeden Fall dürfen Sie eins in Herbst und Winter nicht vergessen: genug zu schlafen. Das ein oder andere Stündchen mehr in der dunklen Jahreszeit ist vollkommen in Ordnung, was natürlich nicht bedeuten soll, dass Sie zwölf bis vierzehn Stunden im Bett verbringen sollen. Auf jeden Fall gilt, dass ausgeschlafen die Melancholie häufig gar keine Chance hat. Aber nicht nur genug Schlaf hilft gegen das Herbst- und Wintertief. Sorgen Sie auch sonst für viel Entspannung. Egal ob Yoga, eine Stunde vorm Fernseher oder ein ausgedehntes Bad, wie Sie relaxen ist völlig egal, Hauptsache Sie tun es.

Glauben Sie allerdings nicht, dass Sie den Trübsinn allein mit ausgedehnten Nachmittagen im Bett oder auf dem Sofa austreiben. Ohne Sport hocken Sie auch schnell im Loch oder anders herum: Kaum etwas hilft an einem vergrübelten Herbstnachmittag besser die schlechte Laune abzuschütteln, als ein Stündchen Jogging oder 1000 Meter im Schwimmbad. Auch wenn die ersten 50 Meter hart sind, fühlen Sie sich nach Ihrer sportlichen Abwechslung garantiert ein ganzes Stück besser und Sie sind den herbstlichen Schwermut erst einmal los.

Aber alles sporteln und relaxen hilft nichts, wenn Sie jeden Herbst- und Winterabend mutterseelenallein in Ihrem Zimmerchen verbringen. Auch wenn es nach all den Entspannungs- und Schlafübungen schwer fällt, sich vom kuscheligen Sofa noch einmal raus in die Kälte und in die Kneipe zu quälen, sollten Sie sich trotzdem aufraffen. Denn oft wird der schlimmste Herbsttag doch noch ganz nett, wenn Sie ein Stündchen mit ein paar Leuten verbringen oder sich mit einer Freundin einen netten Fernsehabend machen. Das schlechte Wetter ist keine Entschuldigung!

Und noch etwas: Trinken und rauchen Sie nicht zu viel, wenn Sie ohnehin schon im Herbsttief hängen. Gegen ein, zwei Glühwein mit Freunden ist natürlich nichts einzuwenden, aber wenn Sie jeden Abend allein zu Hause wie verrückt rauchen und einen Wein nach dem nächsten trinken, dann ist irgendetwas faul. Als Regel gilt: Wenn Sie sich ohnehin schon im Herbst nicht auf der Höhe fühlen, dann sollten Sie sich überlegen, wie sich mit etwas weniger Zigaretten oder Alkohol entspannen können. Denn eins ist sicher: Auf kurz oder lang machen Rauchen und Trinken das Herbstloch noch eine ganze Ecke tiefer.

Das waren also die wichtigsten Grundregeln, um den Herbst mit einigermaßen guter Laune zu überstehen. Sollten Ihre Herbstdepressionen ein größeres Ausmaß angenommen haben, so können Sie sich gerne an das Team der Psychotherapeutischen Beratungsstelle wenden.

© Sebastian Niestroj

Drucken